Ausstellungen 2017

22.10.17 - 12.11.17
Landschaftlich - polyphon
W. Jo Brunner, Susanne Kallenbach, Gudrun Petzold

Eröffnung am Sonntag, dem 22.10.17 um 11 Uhr 
Worte zur Ausstellung von Hans-Peter Jakobson


Gleichklang und Individualität.
Zu einer Ausstellung in der Galerie Metzger, Johannesberg

Für die Keramikerinnen Gudrun Petzold, Susanne Kallenbach und den Maler W. Jo Brunner ist ein intensives Verhältnis zur Natur stete Inspirationsquelle und wichtigster Gegenstand intensiver künstlerischer Auseinandersetzung. Permanente Veränderungen der Umwelt sowie das spannungsvolle Verhältnis von natürlichen Vorgängen und deren Darstellung  bestimmen die Inhalte ihrer Werke. Es sind zwei autonome Prozesse, von denen ersterer Naturgesetzen folgt, jedoch Stoff des letzteren ist, der eigenen, historisch gewachsenen und gesellschaftlich determinierten und somit veränderbaren Gesetzen unterliegt. Dafür haben die Aussteller ganz eigene und originäre Ausdrucksformen entwickelt. Gudrun Petzold schafft ihre keramischen Skulpturen vornehmlich in Werkgruppen, um immerwährende Veränderungen unserer Welt  unter verschiedenen Aspekten zu untersuchen und künstlerisch zu gestalten. Die Kreisläufe von Entstehen, Wachsen und Vergehen in der organischen sowie anorganischen Natur bilden das  Zentrum ihres bildnerischen Interesses. Der unmittelbare Anlass für ein Werk erwächst oft aus zufälligen Ereignissen bei wacher Naturbeobachtung als spontan aufgezeichnete Anregungen. Davon ausgehend experimentiert und verändert Gudrun Petzold die Skizzen bis die angestrebte Aussagekraft erreicht wird. Hierbei werden der Ton und die mit ihm verbundenen Techniken selbst zur Inspirationsquelle. In der gegenwärtigen reifen Lebens- und Schaffensphase setzt sie künstlerisches und handwerkliches Potenzial souverän und virtuos ein, vertraut auf die eigenen schöpferischen Kräfte und die des Materials, erlebbar in der Konzentration auf Formen unterschiedlichster aus der Natur abstrahierter Körper. Indem die Objekte unterschiedliche Körper-Raum-Beziehung eingehen, werden sie zu Metaphern natürlicher Lebensprozesse des Wachsens, Vollendens, Vergehens und wieder neu Entstehens. Mit hoher Sensibilität verweist die Künstlerin so auf die Gefährdung, ja die Endlichkeit des Lebendigen und vermag im Betrachter ein Gefühl der Behutsamkeit und Verantwortung im Umgang mit Naturschöpfungen zu erwecken. Das verleiht ihren Werken Zeichencharakter als Ausdruck heutiger Verhältnisse von Kunst und Natur.

Der Schweizer Maler und Zeichner W. Jo Brunner widmet der Bergwelt den weitaus größten Teil seines künstlerischen Schaffens. Berge, gleich in welcher Region, üben eine außergewöhnlich faszinierende Anziehungskraft auf ihn aus. Brunner empfindet sich in solchen Situationen als ein Mitbeteiligter und Mitempfindender inmitten von Prozessen fortwährenden Wandels angesichts der Jahrmillionen langen Entstehungsgeschichte heutiger Gebirge, wie deren permanente, gegenwärtig dramatisch verlaufende Veränderungen wie Erosion oder Gletscherschmelze hervorgerufen auch durch massive Eingriffe der Menschen. Erscheinungen, wie momentane Witterungsänderungen, etwa heraufziehende Nebel, in denen gewaltige Felsmassive minutenschnell oder allmählich verschwinden, Wechsel von Licht und Schatten, auch überraschende Eindrücke hervorrufende Standortwechsel, haben für den Maler und Zeichner symbolische Bedeutung. Brunner arbeitet auf eine besondere Weise simultan. Er malt sein Motiv von verschiedenen Standpunkten aus und in verschiedenen Zeitebenen. So entfernt er sich im Arbeitsprozess von den überwältigenden Erlebnissen, gelangt zu einem "abstrakt-expressiven Naturalismus", in dem die unmittelbare emotionale Empfindung und der schöpferische Vorgang des Gestaltens zu einem untrennbaren Teil des Kunstschaffens und des Kunsterlebens verschmelzen.

Auch für Susanne Kallenbach bietet hauptsächlich die unbelebte Natur wie Felsen und Berge von monumentaler Erhabenheit permanent vielfältige Inspirationsquellen. Mit kompromissloser Strenge und äußerster Formenreduzierung auf das Wesen der Erscheinung  entstehen Plastiken und Gefäße mit symbolhafter Aussagekraft. Als Essenz des eigenen Erlebens spiegelt sich in ihnen die Ehrfurcht der Keramikerin vor der Natur in ihrer unendlichen Vielfalt wider. Im Zusammenspiel von gestalterischer Idee und strengem Formwillen entfaltet sich die besondere Faszination ihrer Schöpfungen. Dies gilt sowohl für die Plastiken, die in ihrer Kompaktheit mit makellosen Oberflächen, in denen die besonderen ästhetischen Qualitäten des Tones zum Ausdruck bringen, als auch für die Gefäßobjekte. Schalen und Vasen scheinen zunächst traditionelle Funktionen zu erfüllen, die intensive Auseinandersetzung mit ihnen verändert ihre scheinbar offenkundige Funktionalität zugunsten der ästhetischen Wirkung. Schöpfungen von solcher faszinierenden Eleganz makelloser Linien sowie feinnervig bearbeiteter lebendiger Oberflächenstruktur und Proportionen sowie einer subtile Balance aus Ruhe und Bewegung, scheinen besondere Geheimnisse in sich zu bewahren. Ihre poetische Ausstrahlung voll meditativer Kraft fordert intensive individuelle Zwiesprache und kündet vom Empfindungsreichtum Susanne Kallenbachs, ihrem souveränem Können sowie ihrer künstlerischen Konsequenz.

Hans-Peter Jakobson