Valerie Arber     -     Doris Kaiser

von Dr. Walter Lokau

Mit der amerikanischen Graphikerin Valerie Arber und der deutschen Bildhauerin präsentiert die Galerie von Angelika Metzger Arbeiten, die obenhin kaum etwas gemein zu haben scheinen, bei genauerem Hinsehen aber eine seltsame Eigenart gemeinsam aufweisen: Beider Künstlerinnen Werke bewegen sich – ein jedes auf sehr eigene Weise – in einem irritierenden Zwischen, zwischen Genres, zwischen Techniken, zwischen Geplantem und Unvorhergesehenem, zwischen kühl überlegtem Konzept und gleichsam still glimmender, aus dem bearbeiteten Material selbst rührender Minimal-Expression. Dabei wird hier keine Botschaft vermittelt, keine Aussage gemacht: Die Bilder wie die Skulpturen reichen nicht über ihre unmittelbar materiale Konkretheit hinaus. Für sie gilt der einst von Frank Stella auf dessen eigene, nicht etwas repräsentierende sondern nur sich präsentierende Malerei geprägte Satz: „What you see is what you see.“ Doch die manchem als unverschämte Düpierung aufstoßende Tautologie ist nichts weniger als das. Der vermeintlich nichts erklärende Satz kommt nämlich einer Aufforderung an den Betrachter gleich, des eigenen offenen Sehens inne zu werden und die nur allzu gern schematisch-schnelle Wahrnehmung für das Vor-Augen-Liegende zu verlangsamen und zu entformeln. Dann erst beginnt das Abenteuer eines geschärften, unvoreingenommenen Sehens, das den Arbeiten von Valerie Arber und Doris Kaiser gerecht wird. 

Valerie Arber, 1949 in New Jersey geboren und heute in Santa Fe, New Mexico, und Marfa, Texas, lebend, hat in Schweden und an der University of New Mexiko studiert. Die Nähe ihrer Arbeit zur Druckgraphik – verwendet sie doch mit Vorliebe zurechtgeschnittene gedruckte Farbverläufe für collagenartige Montagen oder monotypische Drucklettern für aus gleichartigen Elementen bestehende Ordnungsmuster – ergab sich aus der Arbeit ihres Mannes Robert Arber, einem renommierten Druckgraphiker, der Auflagenarbeiten u.a. für Donald Judd oder Ilya Kabakov ausführte. Ihre in der Galerie Metzger ausgestellte Reihe von Letter-Prints fügen etwa die immer gleiche Chiffre V in langen Bahnen und Kurven freihändig abgedruckt zu Ordnungsgebilden, die insgesamt Form zwar bilden, doch nie streng einem vorgegebenen Programm folgen. Der repetitive Prozeß des Abdrückens des immer wieder neu in Farbe getauchten, unterschiedlich gesättigten, mitunter durchaus verlaufenden Letters ergibt aus dem immer sichtbar bleibenden diachronen Vorgehen selbst und dem daraus entstehenden synchronen Relationsgefüge der einzelnen monochromen Elemente ein zweidimensionales, in sich bewegtes Raum-Gitter oder Körper-Netz, verstärkt mitunter noch durch Überlagerung. Sichtlich ist das Ergebnis des Spieles offen gerade da, wo es sich am Ende zu einer durchlässigen Geschlossenheit verdichtet.

 Die an der Fachhochschule in Krefeld ausgebildete Doris Kaiser, 1958 in Trier geboren und in Grefrath lebend, ist im Felde der Bildhauerei in Deutschland die Meisterin der unendlich feinen Farb- und Material-Nuance. Dabei erscheinen ihre massiv wirkenden block- und kastenartigen scharfkantigen, teils an der Wand, teils auf dem Boden schwebenden Arbeiten in ihrer kühlen, harten Geometrie zunächst wenig sinnlich. Doch der erste Eindruck der zwischen Skulptur und Plastik, zwischen Bild und Körper siedelnden, mattweißen Körper täuscht: Exakte Schnitte, leichte Verschiebungen, Schichtungen, Öffnungen, feinste Oberflächenmodulationen auf den Gebilden aus Gips und Ton erzeugen Nuancen von Weiß, von Mattierung, von Kantenschärfe für deren Finesse auch ein extrem sensibilisiertes Sensorium nicht hinreichte, all diesen infinitesimalen Reichtum zu erfassen. Und schildernde Worte, erklärende Begriffe scheitern im Anblick dieser unendlichen Differenziertheit, die durch äußerlich sich wandelnde Faktoren wie Licht oder umgebender Raum noch gesteigert wird: Lehrstücke für die verwirrende Erfahrung, daß auch klare Form ins Unfassliche abzurücken vermag, das Reale undarstellbar ist. Dabei liegt doch alles so deutlich vor Augen...